Ausgabe 37

Scheitern der aktuellen Tarifrunde im Maler- und Lackiererhandwerk:

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte...? Schön wäre es, aber die Realität ist wie immer eine andere. Worum geht es? Die IG Bau fordert unter anderem 6% mehr Lohn für alle Beschäftigten im Maler-und Lackiererhandwerk. Die Arbeitgeberseite lehnt dies vehement ab. Da stellt sich die Frage, warum eigentlich. Die Wirtschaft brummt, die Konjunkturdaten stimmen und es herrscht Fachkräftemangel. Das bedeutet im Umkehrschluss ganzjährige Vollbeschäftigung im Malerhandwerk. 6% mehr Lohn wären aus unserer Sicht durchaus realistisch und machbar. Im Gegenzug streicht man endlich den nutzlosen Kostentreiber Malerkasse aus dem Tarifvertrag und voilá: schon sehen die 6% gar nicht mehr so schlimm aus. Der Vorteil liegt auf der Hand, endlich hätten die Beschäftigten im Malerhandwerk eine echte spürbare Anerkennung ihrer Leistung. Dazu noch eine betriebliche Altersvorsorge, die ihrem Namen gerecht wird. Es würde die Attraktivität des Malerberufes nochmals deutlich steigern. Das i-Tüpfelchen wäre dann endlich ein bundesweit einheitlicher Tarifvertrag. So viel zum Wunschdenken.

In der Realität jedoch wird öffentlichkeitswirksam um ein paar Prozentpunkte gestritten, und am Ende handelt man einen faulen Kompromiss aus mit regional unterschiedlichen Ecklöhnen. Die Tatsache, dass die teilnehmenden Verbände, bestehend aus BIV und IG Bau, auch oder gerade aufgrund Ihrer schwindenden Mitgliederzahlen in den eigenen Reihen, als alleinige Verhandlungsführer auftreten, wirkt dann wie aus der Zeit gefallen und entbehrt nicht einer gewissen Komik. Andere Interessenvertretungen, wie z.B. unser Verband, werden aus dem Verhandlungsgeschehen bewusst ausgegrenzt. Und die Politik macht sich einen schlanken Fuß und erklärt so zustande gekommene Tarifverträge wider besseren Wissens für allgemeinverbindlich. Das ist das aktuell vorherrschende Demokratieverständnis. Und mit Blick auf das Tarifvertragsgesetz wird halt, was nicht passt, passend gemacht. Dem Lobbyismus sei Dank! Die Attraktivität des Malerhandwerks steigert man jedoch nicht, indem man beispielsweise die Malerkasse mit immer mehr Rechten zum Geldinkasso ausstattet. Mit der Folge, dass Betriebe zu Unrecht kriminalisiert werden.

Mein Appell an die Politik und die Handwerksverbände lautet daher: Seht genau hin und sorgt endlich für ein Ende dieses dubiosen Treibens! So sichert man keine Arbeitsplätze. Man verlagert sie zum Nachteil der Mitarbeiter – Stichwort Zeitarbeit. Dabei könnte es so einfach sein. Ein Tarifvertrag, ein Ecklohn und keine Malerkasse. Und wenn wir dann noch erleben könnten, dass Politiker sich mit der Materie beschäftigen, deren einziger Befähigungsnachweis für diese Aufgabe nicht nur darin besteht, dass der Vater oder wer auch immer im familiären Umfeld mal Handwerker gewesen ist, wäre das allein schon ein echter Fortschritt in Richtung vernünftiger und zeitgemäßer Tarifpolitik.

 

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Vorstandsvorsitzender Torsten Gerlach

 

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